Vierzig Jahre Fußball in Meinkot
Eine
Gedächtnischronik von Hans Behse
So begann es einmal
Fußball ist
schon immer die herrlichste Nebensache der Welt gewesen. Das wurde uns Kindern
in Meinkot deutlich, als in Velpke 1928 ein Fußballverein entstand. Wenn in
Velpke Fußballspiele waren, dann gingen wir Kinder zu Fuß nach Velpke, um Arno
Schulz im Tor, Willi Triller in der Verteidigung usw. zu sehen. Natürlich
färbte das ab. Wir Kinder spielten auch Fußball. Die Holzpantoffeln wurden mit
Bindfäden festgebunden, als Ball diente oft nur ein notdürftig zusammengenähter
Lumpensack. Aber wir spielten.
Schließlich
kamen die ersten Knabenspiele mit anderen Dörfern. Die erste Versammlung des
Sportvereins fand auf dem Hofe der Gastwirtschaft Schmidt statt, wo versucht
wurde, eine echte Knabenmannschaft zu gründen und einen Mannschaftsführer zu
wählen. Von dieser Knabenmannschaft stand oft was in den Zeitungen.
Dadurch
wurde Lehrer Eßmann aus Brechtorf auf Fußball - Meinkot aufmerksam. Er war damals
Vorsitzender des Fußballgaues Vorsfelde. Mit seiner Hilfe ‑ sein erstes
Gespräch fand mit Otto Staudtmeister statt ‑ wurde der Verein dann
gegründet. Wilhelm Klein wurde der erste Vorsitzende des Vereins.
Aber was für
ein Anfang. Es gab keinen richtigen Platz. Beim großen Landwehrfest in Meinkot
wurde die alte "Sandkuhle", die mit Binsen bewachsen war und so
ähnlich wie eine Müllkippe aussah, einplaniert. Das reichte aber nicht für ein
Spielfeld. So ging die Jugend damals in ihrer Freizeit daran und machte den
Sportplatz mit Loren zu einem ebenen Gelände.
Diese
Arbeiten wurden aber immer wieder gestört. Der „alte Hübotter“
hatte dafür gar kein Verständnis und fuhr mit seinen Pferdegespannen immer
wieder über diesen Platz.
Bis den
Sportlern schließlich die Geduld riß. Sie gruben
einen tiefen Graben. Schließlich mußten sie noch
einen zweiten Graben machen, weil Hübotter sich einen
anderen Weg über den Platz gesucht hatte. Sogar im Gemeinderat wurde seinerzeit
über diese Verhältnisse verhandelt. Sport war damals gar nicht
selbstverständlich.
Bevor der
Verein richtig stand, kam es zum ersten Spiel gegen Wahrstedt. Durch die
Fahrrinne von Hübotter blieb Otto Staudtmeister im
Sand stecken, ein Spieler sprang auf sein Bein. Otto wurde der erste Verletzte
im Verein mit einem Beinbruch. Die erste Platzverweisung handelte sich übrigens
Hans Behse ein. In einem Knabenspiel gegen Danndorf
traf er statt einem Ball das rückwärtige Hinterteil von Helmut Müller.
Allmählich
kam Meinkot aber in Schwung. Schuhmacher Richard Engel hatte Hochbetrieb. Er mußte aus ausrangierten Arbeitsstiefeln provisorische
Fußballstiefel schustern. Wer hatte schon Geld für richtige Fußballstiefel ? Hermann Staudtmeister hatte Schneider
gelernt und nähte die ersten grünen Hosen. Daß sie
zuweilen nicht recht paßten, wen störte das schon?
Auf weißen Sporthemden wurden grüne Kragen genäht und ein Vereinsabzeichen
angebracht.
Dann wurde
Meinkot ein gefürchteter Gegner. Die ersten Spieler waren Albert Bischoff, Otto
Staudtmeister, die drei Geschwister Bicknäse, die
beiden Schünemänner, Hermann Wiesel, "Coppi“ Müller, Stani Czybeck, Werner Radtke, Erwin Kraul, Erich Hinze, Hermann
Staudtmeister, Walter Behse, Hermann Schliephake u.a. Es wurde in zwei Mannschaften gespielt.
Altersgrenzen gab es noch nicht.
Erich Hinze
war übrigens der erste Spieler in "Strumpfhosen“. Bei einem Spiel im
Schnee in Sisbeck (Am Schafstall) behielt er einfach seine Unterhosen an.
Meinkot
spielte damals in der höchsten Klasse im Gau Vorsfelde. Für die Vorsfelder
Sportzeitung gab es zwei hervorragende Reporter: Richard Engel und Erich Roberti. Es ist eine Lust, noch heute diese Berichte zu
lesen. Meinkot war immer mit vorn.
Der erste Pokal
Im Sportheim
steht auf einem Sims ein großer schwarze Mann, dem
einige Glieder fehlen. Das war der erste Pokal, den sich Meinkot erobert hat.
Das Turnier fand in Boimstorf statt. Wie die
Berichterstatter schrieben, glänzte Meinkot durch seine Kopfballtechnik. Das
Problem war nun aber, wie diesen Pokal nach Meinkot zu bringen. Schließlich
wurde ein Kartoffelsack besorgt, daran Bindfaden angebunden, und los ging die Fahrt
mit dem Fahrrad. Da es auch damals schon Alkohol gab, wurde der "schwarze
Mann" etwas lädiert. Das hinderte aber nicht daran, den damaligen
Vorsitzenden Walter Kues mitten der Nacht davon zu unterrichten.
Inzwischen
sind viele Pokale dazugekommen, wie die stolze Galerie es beweist. Richard
Engel übernahm den Vorsitz im Verein. Der Krieg begann, und schließlich lag der
Ball tot. Aber gleich nach dem Krieg fanden sich wieder Kräfte, die an die alte
Tradition anknüpfen wollten. Hans Behse berief eine
Versammlung ein, und schon im Herbst 1945 wurde der "SuS
Meinkot" wieder ins Leben gerufen. Das erste Spiel fand dann gegen
Danndorf statt, Es war aber unter den damaligen Verhältnissen schwierig, einen Vorsitzenden zu finden. Schließlich übernahm Julius Koschnitzke den Verein. Er mußte
mit Dosenwurst los und dafür einen Fußball organisieren. Für Kartoffeln gab es
Fußballstiefel. Es war ein schwerer Anfang.
In dieser
Zeit spielten unsere Damen aber Handball. Auf dem Trecker fuhr alles gemeinsam
los. Vor dem Fußball spielten die Damen, und das war nicht weniger aufregend.
Wenn Ilse Dammann losfegte und Lieselotte Tiedtke sich in das Getümmel warf, wenn Hete
Eichholz ihren Mund aufmachte und Irmgard Klein die Tore warf, dann war
Stimmung. Mehrmals standen die Meinkoter Damen im
Endspiel um die Kreismeisterschaft, aber es glückte nie. Aber Spaß hat es doch gemacht.
Unter dem
Vorsitz von Otto Staudtmeister und Karl Krajczyk
wurde herrlicher Fußball gespielt. Meinkot spielte immer eine Rolle. Walter
Heine übernahm den Vorsitz. Meinkot stieg, als Kräfte abwanderten, freiwillig
von der 1. in die 2.Kreisklasse ab und gewann dann prompt seine erste
Meisterschaft und auch noch die Kreismeisterschaft.
Das konnte
aber den Verfall der Mannschaft nicht aufhalten. Es fehlte an Nachwuchs.
Schließlich wurde die Mannschaft ganz abgemeldet. Da war es der jetzige Trainer
Willi Ewers, der eine Knabenmannschaft aufbaute. Sie wollte an den Punktspielen
teilnehmen. Dafür war aber ein Vorstand erforderlich. Der Verein wurde erneut gegründet
mit Emil Bicknäse an der Spitze. Bald gab es auch
wieder eine Herrenmannschaft, die sich wieder die Meistersshaft
der 2.Kreisklasse und auch die Kreismeisterschaft erspielte.
In der
1.Kreisklasse gehörte Meinkot wieder mit zu den besten Mannschaften. So wurde
sie im Spieljahr ‑ inzwischen‑. wurde Manfred Stephan Vorsitzender ‑
1969/70 Staffelmeister und Kreismeister der 1.Kreisklasse.
Im Spieljahr
190/71 spielte Meinkot wieder in der obersten Kreisklasse, der Kreisliga, und
wurde zu einem Favoritenschreck. Mit dem 5.Tabellenplatz wurde das Spieljahr
beendet.
Ein
besonderer Erfolg wurden die Kreispokalspiele aus Anlaß
des 25jährigen Bestehens des NFV Kreis Helmstedt. Der Meister Kästorf konnte
die beiden Punktspiele gegen Meinkot nicht gewinnen und unterlag nach einem
Elfmeterschießen auch im Pokalspiel. TSV Helmstedt II wurde, obwohl sehr
verstärkt, geschlagen. Gegen Jerxheim wurde aus einem 0:3 noch ein 4:3, und im
Endspiel in Helmstedt schlug Meinkot den Nachbarn Bahrdorf mit 2:0 und darf
sich nun stolz Kreispokalsieger nennen. Ein wunderbares Geschenk der Mannschaft
zum 40jährigen Bestehen des Vereins. Wie sehr Fußball‑Meinkot im
Dorfleben steht, beweisen die etwa hundert Zuschauer in Helmstedt. Fast jeder
dritte Einwohner war dabei.
Möge es
immer so bleiben.